Demosanitätswachdienst

Die Versammlungsfreiheit ist ein hohes und schützenswertes Gut in unserer Demokratie. Die First-Aid-Supervisor IG/NRO leistet einen Betrag zum Schutz der Versammlungsfreiheit, indem diese sicherstellt, dass jede*r Versammlungsteilnehmer*in möglichst gefahrlos eben dieses Recht wahrnehmen und sich an der politischen Willensbildung beteiligen kann.

Eine Versammlung nach dem Versammlungsgesetz kann eine Kundgebung oder ein Aufzug aka. eine Demonstration sein. Die Absicherung einer Versammlung ist jedoch keineswegs ein regulärer Sanitätsdienst, wie jeder andere auch. Daher bieten wir gesonderte Demosanitätswachdienste an. Diese werden durch Demosanitäter*innen - auch als "Riot Medics", "Street Medics" oder "Action Medics" bekannt -  medizinisch abgesichert.


Wo Menschen aufeinander treffen und sich körperlich betätigen, steigt das Risiko von Unfällen und Verletzungen entsprechend an. Demonstrationen beziehungsweise Versammlungen bieten mit Hinblick auf die Mobilität, ein oftmals erhöhtes Konfliktpotential sowie eine sehr dynamische Lage ein besonders hohes Risiko für Verletzungen.

Reguläre Sanitätsdienste, insbesondere bei den meisten gängigen Anbietern, kosten eine ganze Menge Geld. Dies können sich viele Veranstalter*innen von Versammlungen nicht leisten. Da eine Pflicht zur Bereitstellung eines Sanitätsdienstes somit die Versammlungsfreiheit massiv einschränken würde, gibt es im Gegensatz zu sonstigen Veranstaltungen hier keine Pflicht für Veranstalter*innen, einen Sanitätsdienst zu beauftragen. Dieses Problem wird dadurch verstärkt, dass der Rettungsdienst sowie Sanitätsdienste der regulären Hilfsorganisationen den Bereich einer Demonstration als Gefahrenbereich deklarieren und aus Gründen des Eigenschutzes hier nicht bzw. nur in Ausnahmefällen tätig werden. Darüber hinaus wollen viele keine Demosanitätswachdienste anbieten, da hier oftmals befürchtet wird, dass eine gewisse politische Orientierung der jeweiligen Hilfsorganisation zugeschrieben wird.

Dabei kann auf Versammlungen viel passieren. Vom Sonnenstich durch langes stehen in der Sonne über einen Sturz während des Aufzuges, einer Panikattacke im Polizeikessel bis hin zu massiven Verletzungen durch Auseinandersetzungen zwischen Demonstrant*innen und Gegendemonstrant*innen oder Polizist*innen. Das ein Sanitätsdienst daher sinnvoll ist, steht wohl außer Frage. Veranstalter*innen sind daher dazu eingeladen eine Absicherung von Versammlungen durch entsprechende Demosanitätsgruppen, wie beispielsweise die FAS, zu beauftragen.

Im Gegensatz zum öffentlichen Rettungsdienst, der Feuerwehr oder den regulären Hilfsorganisationen halten unsere Demosanitäter*innen sich nicht außerhalb des Gefahrenbereichs und somit weit ab der Teilnehmer*innen auf. Wir sind im Bereich der Versammlung präsent und können den Versammlungsteilnehmer*innen daher jederzeit eine schnelle medizinische Hilfe zukommen lassen.

Das Anrecht auf eine medizinische (Erst-)Versorgung steht jedem Menschen gleichermaßen zu und sollte durch keine anderen Interessen eingeschränkt werden. Wir helfen daher allen Teilnehmer*innen einer Versammlung gleichermaßen, unabhängig davon, was zuvor geschehen ist.

Wir führen regelmäßig interne Schulungen und Besprechungen durch, in welchem wir uns speziell auf Demosanitätsdienste vorbereiten. Hierfür halten wir interne Konzepte vor, welche sich mit dem Hinzukommen weiterer Erfahrungswerte immer weiter verbessern lassen. Somit können wir in der Regel auch bei der Arbeit im unmittelbaren Gefahrenbereich und während Auseinandersetzungen entsprechende medizinische Hilfe leisten. Dabei sind unsere Helfer*innen steht um ein professionelles und deeskalierendes Auftreten bemüht.

Zu unserer eigenen Sicherheit haben wir neben der Dienstbekleidung und dem Material zur Versorgung von verletzten Personen auch weiterführende Hilfsmittel dabei, um unseren Eigenschutz sicherzustellen. Hierzu zählen unter anderem Handschuhe, Masken, Schutzbrillen sowie Einsatzhelme. Dadurch können wir die Gefahr selbst verletzt zu werden zwar nicht ausschließen, aber zumindest weitestgehend minimieren.

Als Sanitätsdienst bei Versammlungen sind wir natürlich primär mit der medizinischen Versorgung der Teilnehmer*innen der Versammlung befasst, für welche wir angefragt wurden. Bei entsprechender Notwendigkeit versorgen wir aber selbstverständlich auch jede andere Person, welche medizinische Hilfe benötigt - hierzu können unter anderem umstehende und eigentlich unbeteiligte Personen, Gegendemonstrant*innen, aber auch Polizist*innen gehören. Grundlage hierfür ist einerseits der Ethos aller medizinisch tätigen Personen, all jenen Menschen die Hilfe benötigen auch Hilfe zukommen zu lassen, als auch der Straftatbestand der sogenannten unterlassenen Hilfeleistung nach § 323c  StGB, würde die Hilfe hier nicht geleistet werden.


Für viele Teilnehmer*innen einer Versammlung ist der Schutz von persönlichen Daten/der Identität sehr wichtig. Dies können wir nachvollziehen und haben daher unsere eigenen Grundsätze entwickelt. Einer von ihnen ist der Grundsatz der Anonymität, welchen wir speziell bei Demosanitätswachdiensten anwenden.

Hierbei führen wir während der Demosanitätsdienst nur eine minimale Dokumentation durch, welche standardmäßig keine persönlichen Daten enthält. Nur in Ausnahmefällen wird eine Dokumentation vorgenommen, bei der auch persönliche Daten aufgenommen werden. Hierbei versuchen wir aber so wenig Daten wie möglich aufzunehmen und diese nach Möglichkeit auch nur pseudonymisiert festzuhalten.

Notwendig kann dies unter Umständen dann sein, wenn wir eine Dokumentation zu unserer eigenen rechtlichen Absicherung durchführen müssen, weil die Verletzung einen gewissen Schweregrad überschritten haben oder ein Übergabeprotokoll anfertigen, welches dem öffentlichen Rettungsdienst bei der Übergabe des/der Patient*in mitgegeben wird.

Hierbei unterliegen wir aber auch der Schweigepflicht, welche sowohl in unseren Grundsätzen, als auch im Gesetz verankert ist. Dies bedeutet, dass wir die Daten nur mit Einwilligung des/der Patient*in an Dritte weitergeben, außer dies ist für die medizinische Behandlung unumgänglich - dies betrifft die Übergabe an den Rettungsdienst. Anderen Stellen wie weiteren Teilnehmer*innen, Journalist*innen oder Polizist*innen geben wir keine Auskunft, insbesondere über persönliche Daten. Denn was viele nicht wissen: Die umgangssprachliche "ärztliche Schweigepflicht" gilt auch für nichtärztliches medizinisches Hilfspersonal und untersagt somit auch diesen die Weitergabe von Daten.

Sollten Sie als Veranstalter*in einer Versammlung in Erscheinung treten und sich noch keine Gedanken darüber gemacht haben, wie Sie für die medizinische Absicherung sorgen wollen, so können Sie uns jederzeit gern anfragen. Entsprechende Informationen zur Beauftragung der FAS mit einem Demosanitätswachdienst finden Sie im Bereiche "Anfragen".



Die FAS betreibt ein Notfalltelefon, welches von der Einsatzleitung in der Regel bei Demosanitätswachdiensten mitgeführt wird. Sollten Sie oder eine andere Person während einer Versammlung also medizinische Hilfe benötigen, so können Sie uns einfach über unsere eigene Notrufnummer 0151/74 27 27 43 kontaktieren.

Alternativ können Sie einen Notfall auch an die Ordner*innen kommunizieren, welche dann unsere Demosanitäter*innen verständigen sowie einen der Lautis aufsuchen (sofern vorhanden) und unsere Helfer*innen darüber ausrufen lassen.

Bitte beachten Sie, dass unsere Notrufnummer nur dann aktiv geschaltet wird und unser Demosanitätsdienst alarmiert werden kann, wenn die jeweilige Versammlung auch tatsächlich von uns abgesichert ist und wir uns gerade vor Ort befinden. Sollte dies einmal nicht der Fall sein, so wählen Sie bitte direkt den Notruf 112, um den Rettungsdienst zu rufen.

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